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Momentaufnahmen

Donnerstag, 1. Juni 2006

Für Olli gibt’s kein Feierabend

Es gibt Mütter, die ihren Kindern ein Ohr wegquatschen, noch bevor diese über einen Wortschatz verfügen, der es ihnen ermöglicht sich verbal zu wehren.
Dieses Schicksal trifft auch den kleinen Olli, der gerade mal so groß ist, dass er seine neugierige Schnupfennase entlang der kühlen Metallkante von Emmas Kassentisch ziehen kann, dass es aussieht, als wären dort fünfzehn Schnecken entlang gelaufen.
“Mensch Olli, lass das doch. Komm her und putz dir die Nase.”
Seine Mutter hat eine Stimme, deren Klang schwer zu beschreiben ist. Am ehesten trifft es wohl die Tonlage eines Esels, der mit seinem Gemächt am Weidezaun hängen blieb. Das eigentlich Schlimme daran ist aber, dass Olli´s Mutter die längsten Sätze der Welt sprechen kann. Und das ohne Punkt und Komma. Außerdem beherrscht sie mit Sicherheit die Ohrenatmung.
Emma ist sich sicher, dass diese Frau der Grund für Ollis ständig volle Nase ist und sie kann ihn sogar verstehen.
“Olli komm her nichts anfassen nur schauen ja so ist das fein ach Olli leg das weg lass das liegen das brauchen wir nicht schau mal Olli da sind die Nudeln magst du Nudelchen zum Abendbrot Olli oder magst du lieber was anderes?”
Alles was Ollis Mutter macht erklärt sie ihm ganz genau. Dies geschieht natürlich in einer Lautstärke, die es allen Kunden ermöglicht an Ollis Schicksal teilzunehmen.
“Schau Olli jetzt nimmt die Mama die Nudelchen und tut sie in den Wagen legen zu den anderen Sachen die da schon liegen zu der Butter und den Eiern ein Päckchen Nudelchen nehmen wir Olli Hörnchennudeln sind das die mag der Papa gerne Olli lass das nichts anfassen leg das wieder hin”
Ollis einzige Chance sich Gehör zu verschaffen liegt darin, dass er lauter als seine Mutter ist und grundsätzlich das Gegenteil von dem tut was sie will.
Wenn sie Nudelchen anschauen will ist Olli eher nach Ölflaschenaufschrauben.
Am aller Liebsten geht er aber durch das Müsliregal. Dann streckt er den kurzen Arm aus, macht ihn ganz steif , geht zügig an allen Sorten vorbei und startet mit seinen Fingerchen seinen eigenen Domino-Day.
Während Emma das Geräusch der purzelnden Tüten und Schachteln schon erwartet hat, ist die Frau mit der Eselstimme völlig verdutzt und erstaunt wo sich ihr Kind rum treibt.
“Olli? Ollliwäääär? Wo bist du denn schon wieder? Komm mal schnell her zu Mutti. Olli?”
Doch der Filius läuft mit völlig apathischem Blick den Gang auf und ab und betrachtet sein Werk.
“Mensch Olli was machst du den da ich hab dir doch gesagt du sollst nichts anfassen sag mal kannst du denn nicht hören was die Mutti dir sagt”
Sie schnappt ihren Zwerg und steigt mit anhaltender Ermahnung über Ollis Fiasko. Wenigstens gibt sie darauf Acht, nicht auf die Müslitüten zu treten.
Emma folgt den Beiden unauffällig und beseitigt sämtliche Spuren sofort. Sie schraubt Deckel wieder zu, hebt Tüten und Päckchen auf, rückt Senfgläser zurecht und bringt Preisschilder wieder in waagerechte Position.
Irgendwann, wenn es Oliver endgültig zu langweilig wird, beginnt er damit lauthals zu verkünden, was er jetzt unbedingt haben muss.
“Würstchen, ich will diese Würstchen!!!”
“Olli das sind Soyawürstchen ich glaube nicht dass du die essen magst”
“Dooooooch ich will aber”
“Olli du magst die Würstchen nicht komm die Mutti nimmt richtige Würstchen für dich mit”
“Neiiiiiiiin ich will aber diese, diese diese Würstchen essen. Sonst esse ich gar nichts mehr. Nie wieder.”
Sie legt die Packung erst nach ausgiebiger Diskussion über Für und Wider endlich in den Wagen und steuert Richtung Kasse.
Emmas Nerven liegen blank und sie kann das Wort mit O nicht mehr hören. Dieser Name wird sie einmal mehr durch die Nacht begleiten. Mindestens jedoch bis Frau Heinemann mit ihrem Sebastian kommt: “Sebastian, leg das sofort wieder hin!”

Fürs Erste ist Emma jedoch froh, dass Olli und seine Mutter endlich an der Kasse angekommen sind. Ollis blaue Strickjacke hat mittlerweile doppelt so lange Ärmel als zu Anfang und die Spitzen seiner Gummistiefel quietschen schrill, als seine Mutti versucht ihn samt dem Einkaufswagen an die Kasse zu zerren. Er hängt brüllend unten am Wagen und versucht die Fahrt zu stoppen.
“Ollliiiiwääääär hör jetzt auf mit dem Blödsinn komm jetzt hier her und gib endlich Ruhe”

Ruhe, ja das wäre wohl genau das Richtige für Olli. Emma hat Mitleid mit dem kleinen Satansbraten und kann seine Reaktionen nur zu gut verstehen. Die Vorstellung, dass der arme Kerl den ganzen Tag zugelabert wird, treibt Emma einen Schauer über den Rücken.
“Ich will zahlen!”
Olli reißt seiner Mutter das Portemonnaie aus den Händen und schafft es natürlich, dass auf Anhieb sämtliche Münzen durch die Luft wirbeln.
“Ach Olli schau jetzt hast du alles runter geworfen komm sammle das schön wieder auf sonst können wir doch nicht bezahlen ach Kind was machst du auch für Blödsinn hier schau und alle Leute müssen nun warten ach Olli.”
Die Beiden tauchen vor Emmas Kasse unter und sammeln die Geldstücke wieder ein. Darauf folgt dann das Bezahlritual, auf das sich Olli immer freut.
Das solch ein Vorgang natürlich etwas länger dauert versteht sich von selbst.
“Ja Olli jetzt noch ein Fünf Cent Stück nein so ein braunes nicht das gelbe das ist ein Zehner schau so eins wie da schon liegt ja so eine Farbe genau gut machst du das”
Olli besteht natürlich noch auf das Wechselgeld, das ihm Emma in die kleine Hand schlichten muss, damit er es überhaupt halten kann. Er grinst Emma unsicher an und wundert sich wohl, dass es Menschen gibt, die nicht mit ihm sprechen. Es scheint im zu gefallen und seine Augen leuchten, als er wie immer zum Schluss seine Nase über die Kante des Kassentisches zieht.

“Geschafft,” denkt Emma, sprüht etwas Reinigungsmittel aufs Band und wischt mit einem Papiertuch die Schneckenstrasse entlang.

“Ja, ich hab’s mal wieder geschafft, aber der Olli, der hat noch lang nicht Feierabend.”

Freitag, 7. April 2006

Emma Electra

Es ist Freitag, der Kampftag der Woche und der Himmel ist strahlend blau. Die Frühlingstemperaturen steigen und alle sind zu warm angezogen.
Tage wie dieser beinhalten das Paradoxum schlechthin und Emma bereitet sich auf Schlimmes vor.
Obwohl das Wochenende vor der Tür steht und die Wärme so lange vermisst war, werden heute die meisten Kunden schlecht gelaunt sein.
Wer will auch schon bei diesem Wetter den Großeinkauf machen?
Klar, auch Emma hätte gerne etwas anderes geplant für den Tag.
Bitte liebe Kunden, wenn sie heute ihr Kleiderschrank-Orakel falsch beraten hat, sie im Zwiebellook lange in einer Schlange stehen, den Mantel über den Arm gelegt haben, bitte verzichten sie darauf, folgenden Satz auszusprechen:

„Mann, ist das warm da draußen. Das es aber auch gleich so warm werden muss, schlimm, nicht?“
Schulter zuckend wird die Emma am Platze, sich jede Antwort verkneifen und nur freundlich nicken.
„Aber hier, bei ihnen isset ja schön kühl, richtig angenehm, sinn se froh, dass se nich da raus müssen!“

Emma weiß, es ist gut gemeint, aber Emma will WARM, schwitzen, sich die Kleider vom Leib reißen und rufen:
„Es ist Frühling, es ist warm. Mir ist heiß. Ja heiß. Und das ist gut so!“

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Heute im Angebot:

Juli 2013
Hallo, Tante Emma, die Hoffnung stirbt zuletzt. Nach...
Miko (Gast) - 19. Jul, 09:02
2013
Hallo Tante Emma, wir denken immer noch gerne an Sie....
Kermit (Gast) - 10. Jun, 21:08
Drüben
Meine dunkle Seite Ich war schon oft dort Weiß Welchen...
Jemand (Gast) - 22. Apr, 23:49
und wieder mal
habe ich mir die Geschichten durchgelesen, nur um festzustellen,...
tweety-one (Gast) - 19. Feb, 23:53
Büttebütte
Das letzte Mal haben wir von Tante Emma am 28.12.2008...
Miko (Gast) - 4. Mai, 09:24

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