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Verhandlungsgeschick

Sonntag, 9. April 2006

Ist denn schon wieder Ali Baba?

Das spannendste an Emmas Job, ist die Tatsache, dass sie nie weiß welche Katastrophe heute auf sie wartet. Sicher ist nur, es gibt eine.
Entweder lauert ein Computerproblem, welches den Menschenpulk an der Kasse in einen bösartigen Hornissenschwarm verwandelt, oder einen der Bestellvorgänge lahm legt und Emma dazu zwingt, sich mit einem Bestellbuch im Ausmaß des gesamten Brockhaus, durch die Gänge zu schlagen.
Vielleicht erleichtert sich aber auch nur ein kreislaufschwacher Herr, nach einer Flasche Fusel, im Schirmständer.
Eines der schrecklichsten Ereignisse ist jedoch, das Ausbleiben einer kompletten Lieferung am Samstag. Wenn also nur noch ein paar Flaschen Frischmilch in der Kühlung stehen und sich zwei einsame Eierkartons fragen, ob mit „verlorenen Eiern“ wohl sie gemeint sind.

Als Emma kurz vor Sechs Uhr am Laden ankam und sie nur zwei, anstatt vier Paletten vorfand, war ihr sofort klar, dass sie heute den Tag als wandelnde Entschuldigung verbringen muss. Da half auch der wütende Anruf beim Lieferanten nichts, der die Misere nun ja auch nicht mehr ändern konnte.
Jetzt hieß es also: Unschuldsmine aufsetzen und sich darüber im Klaren sein, dass man unfähig, verlogen und sowieso total unkompetent ist.
Logisch, schon bald werden die ersten Kunden, wie hungrige Säuglinge vor der Kühlung stehen und klagend rufen: „Miiiiiiiiiiiiiiiiilch! Miiiiiiiiiiiilch!“
Sie werden sie wieder süffisant angrinsen, eine Augenbraue zum Vernichtungsschlag heben und spöttisch nachäffen:
„Der Lieferant hat die Ware nicht gebracht“
„Die Lieferung fiel aus!“
Doch jeder Zweite wird ihr deutlich zu verstehen geben, dass sie einfach falsch oder gar nicht bestellt hat, wird ihr ohne es auszusprechen eine Notlüge unterstellen, die ihre eigene Unfähigkeit decken soll.
Ja, Kunden kann man nicht anschwindeln, sie wissen genauestens Bescheid. Sie wissen, dass Verkäuferinnen nur getarnte Saboteure sind. Aus dem Untergrund kommen die Weißkittel, die den Auftrag haben die gesamte Menschheit auszuhungern. Irgendwo haben Kunden mal gelesen, dass es Verkäuferinnen gibt, die Waren in großen Mengen verstecken um einer Umsatzprämie zu entgehen. In Verbraucherzentralen wird darüber informiert, dass es ganz militante Gruppen im Einzelhandel gibt, die nur darauf bedacht sind, sämtliche Molkereiprodukte aus dem Verkehr zu ziehen, damit die Menschen an Kalziummangel zu Grunde gehen.
Also entschloss sich Emma, heute nicht die Wahrheit zu sagen. Nein sie wird Erklärungen finden, die Bestürzung und Mitleid in ihrer Kundschaft hervorrufen werden:

„Es waren ungefähr zwölf maskierte Veganer. Sie haben uns heute früh mit makrobiotischen Waffen bedroht, und die ganze Lieferung entwendet.“
„Schauen sie, ich zittere noch am ganzen Leib. Das war schrecklich, als die Laktosevernichter kamen und die ganzen rechtsdrehenden Joghurts erschlugen. Ich kann von Glück sagen, dass sie meine Milchsäurekulturen nicht entdeckt haben, sonst hätten sie mich womöglich auch noch …..“
Weniger spektakulär, aber genauso einleuchtend, wäre natürlich auch diese Erklärung gewesen:
„Tut mir leid, aber Ali Baba und seine vierzig Räuber waren hier. Ali gibt heute eine Runde Heiße Schokolade aus.“
Aber Emma wollte es heute mal reißerisch, wollte das nackte Grausen in den Gesichtern sehen, wenn sie erfuhren warum es heute keine Milchprodukte gibt. So übte sie noch kurz hinter den Kulissen ihren Text, um dann mutig die Butterbühne zu betreten:
„Tut mir leid, wir haben nichts mehr. Alles ausverkauft. Die Kühlung war rappelvoll vor einer Stunde. Keine Ahnung was heute los ist.“
Ballte sich dann das Kundengesicht langsam zur Faust, griff Emma tief in die Manipulationstrickkiste:
Sie schaute in Agentenmanier links und rechts, winkte mit dem Finger den Kunden näher ran und flüsterte nur so leise, dass auch die anderen Milchwilligen sie hören konnten:
„Drüben bei Klingelbeutel ist die Milch heute im Angebot!“


Tja, so kam es, dass Klingelbeutel wohl seinen Milchumsatz des Jahres gemacht hatte und am Abend Emma freundlich zuwinkte:
„Schönes Wochenende Frau Kollegin. War bei euch auch die Hölle los?“
„Ging so, für Samstag etwas schwach.“
„Also wir sind bis auf den letzten Tropfen Milch ausverkauft heute.“
„Milch? Wird wohl an Ali Baba liegen.“
„Ali Baba? Schon wieder ein Feiertag?“
„Keine Ahnung, aber die erfinden doch immer was Neues.“
Emma winkte mit der Unwichtigkeitsgeste ab und schmunzelte in sich hinein als hätte sie einen schlimmen Lausbubenstreich vollbracht:
„Also Herr Klingelbeutel, ein geruhsames Wochenende wünsch ich ihnen, sie haben es sich verdient.“

Edith: eines war ja wohl klar, die fehlende Milchlieferung kam prompt am Montag.
Zusätzlich, versteht sich!
Ali Baba ist allerdings erst wieder in einem Jahr *seufz*

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