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Gebete, die die Welt nicht hört

„Der Kunde ist König. Er steht im Mittelpunkt und ist das Wichtigste in einem Unternehmen. Er sichert unsere Arbeitsplätze und wir sind ihm dafür zu Dank verpflichtet, stehen ihm stets freundlich mit Rat und Tat zur Seite. Nur ein zufriedener Kunde ist ein guter Kunde, und wird uns wieder und wieder mit seinem Besuch dafür belohnen.“
Der Scheinheilige Samariter/
Psalm 007/ Vers 0815/ Kassenbuch der Konzerne




An dieser Stelle hat Emma das Morgengebet nach der biblischen Aufforderung: „Du sollst kein falsch Zeugnis reden“ etwas modifiziert.
„So lass dich in den Arsch treten, erniedrigen und zu Worten hinreißen, die dir sonst den Magen umdrehen. Sehe in jeder Lüge etwas Gutes für deinen Arbeitgeber und danke ihm dafür, dass er den Arbeitgeberbund meidet wie der Teufel das Weihwasser. Lass deine Gedanken nicht in den Widerstand gleiten. Sei tapfer und treu, erfülle dein Tagwerk, denn du hast dir diese Scheiße selbst eingebrockt - bis in den Ruhestand, der dir Armut und Not bescheren wird. Doch dein ehrenvolles Wirken für das Wohlergehen deiner Kunden und deines Chefs, wird dich mit Stolz erfüllen und du wirst deinen krummen Rücken unter Schmerzen aufrichten, deine Plattfüße werden deine durch Krampfadern marmorierten Beine zwar kaum noch tragen, aber du wirst mit Demut und mit reinem Gewissen sagen können:
Ich war gut.“
Die heilige Emma der Motivation/
Psalm 80-60-90/Vers 4711/Buch der Korinthenkacker




Dann holt Emma tief Luft und seufzt laut ein letztes Mal bis zum Kassenschluss.
Wie schön wäre es, wirklich nur für den Kunden da zu sein. Einfach nur beraten, plaudern und verkaufen. Leider hat Emma an all ihren Arbeitsplätzen dieselbe Erfahrung gemacht: Drei Viertel des Tages sind voll gepackt mit Aufgaben, die nichts mit dem Kunden zu tun haben.
Wenn der Erste den Laden betritt, ist Emma schon einmal kräftig durchgeschwitzt und reif für das zweite Frühstück, ein Nickerchen oder gleich Feierabend.
Gegen zehn Uhr geschieht es dann meist, dass ein freundlicher Stammkunde, hinter dessen Lidern noch deutlich die Heftigkeit seiner letzten Rem-Phase zu sehen ist, ein: „Guten Morgen, meine Damen, na auch schon wach?“ trällert.
Sie nickt dann nur freundlich und schaut zu, dass sie schleunigst eine Warenpalette nach der andern mit dem Lieferschein abgleicht und in die Regale verteilt. In der Zwischenzeit hat der Bezirksleiter schon 5 Mal angerufen und irgendwelche idiotischen Zahlen verlangt, Faxbestätigungen angefordert und nachgefragt wie es denn heute so läuft.
Für Emma läuft es gut wenn sie die Ware verräumt und die neuen Bestellungen erledigt hat. Prima ist, wenn alle Preisänderungen an der Ware umetikettiert sind, die neuen Angebotsschilder hängen, der Personaleinsatzplan gemacht ist, alle Reklamationen protokolliert und zur Abholung bereit sind, der Laden gewischt ist und die diversen Dekorationen für Aktionswaren erledigt sind. Jetzt fehlen nur noch die Vorbereitungen für die Kundenverkostung von scharfem Senf am Nachmittag, das Nachfüllen der Einkaufstaschen im Kassentisch, das Einlegen einer neuen Bonrolle in einen Drucker, der sich grundsätzlich weigert seine Arbeit hinterher wieder aufzunehmen.
Ach ja, natürlich muss nebenbei immer wieder das Kühlregal neu befüllt werden und der zweite Schwung frische Brötchen wartet auch schon. Nur noch schnell Schneeräumen oder bei Regen den Hof kehren, Kartonagen entsorgen und den Müll wegschaffen.
Das ist alles irgendwie machbar wenn da nicht immer was dazwischen käme. Ständig irgendwelche unnützen Unterbrechungen. So kann doch kein Mensch seine Arbeit erledigen. Jede Arbeit muss zig Mal von vorne begonnen werden.
Und das alles wegen einer stündlich wachsenden Anzahl Kunden!

"…und die Umsatzzahlen sind unser Lohn, die Kundenfrequenz spiegelt unsere Herrlichkeit, in Ewigkeit, kein Zeitvertreib, bis dass der Ladenschluss uns scheidet. Amen."
saintphalle - 31. Mär, 22:57

Doch endlich hatte der Herr Erbarmen mit seinem geknechteten Volk und er schickte eine schwere Rezession über das Land, die eine Dürre in alle Geldbörsen brachte, auf dass die versklavten Verkäufer aufatmen konnten. Sie wurden befreit von der Knechtschaft der ewig nörgelnden Kunden und konnten ihre gepeinigten Glieder pflegen und sich laben an kundenfreien Orten voller Ruhe und Friede. Und so lebten sie im Paradies, bis eines Tages ein neuer König an die Macht kam und dem Volk der Kunden Reichtum versprach und den verkaufsoffenen Sonntag.

Tante Emma rechnet ab - 1. Apr, 06:12

Grandios *lol*
Da rannte Emma los und holt Weihwasser, Knoblauch und Kruzifix, Kruzifix , nochamol....
herrjott - 1. Apr, 15:23

Denn eines Tages sprach die Macht,

die mächtiger ist als herrjott "Gehe hin zu dem Ort, den ich dir soeben genannt habe, setze dir ein Headset auf den Kopf, schalte das Telefon und den Rechner ein und sprich mit den Geplagten, den Verzagten, den Unwissenden, den Zornigen, den Doofen, den Aufgebrachten, den Freundlichen, den Müttern, den Vätern, den Rentnern und all den anderen, die Kunden unseres Unternehmens sind oder es werden wollen. Beantworte ihre Fragen, nimm ihre Aufträge entgegen, besänftige sie in ihrem Zorn." Und herrjott nickte und tat wie ihm geheißen. Doch spätestens dann, wenn er seinen Gesprächspartner zum x-ten Male darauf aufmerksam gemacht hat, dass es in Deutschland seit ca 15 Jahren fünfstellige Postleitzahlen gibt, erwacht in ihm die Sehnsucht nach einer kundenfreien Welt.

lächelnde Grüße

herrjott

Tante Emma rechnet ab - 1. Apr, 15:53

Herrjott is das jut. Herr Jott da haben sie den Nagel auf den Kopf getroffen, und ich kann verraten, die Sehnsucht teile ich mit ihnen. Nun aber erts mal Stöpsel aus dem Rechner und den Rest Seele baumeln lassen ;-)
anna25bell - 1. Apr, 20:09

Der zeigt sichs tante emmas wahre dichterkunst!sieht aus als ob sie den Beruf verfehlt haben !

Tante Emma rechnet ab - 1. Apr, 20:57

es wäre schon hilfreich wenn der Beruf Emma ab und zu verfehlen würde
;-)
honigsaum - 1. Apr, 21:24

Und:

immer nur lächeln,
immer vergnügt!

synonyme - 2. Apr, 10:36

man sollte deine gebete an jede supermarktkasse in deutschland aufhängen...ich bin sicher, das wirkt mehr als jeder betriebsrat je erreichen wird...ich habe mich oft gefragt, warum denn die verkäuferinnen und kassiererinnen so oft so unfreundlich und schlecht gelaunt sind...du hast mir eben die antwort gegeben...ein großes DANKE!!!...

Tante Emma rechnet ab - 2. Apr, 10:53

in diesem Job darf man nicht unfreundlich sein! Nein! Egal was hinter den Kulissen vorgeht, die Kunst ist es, nichts davon nach aussen zu lassen.
Für Unfreudlichkeit gibt es keine Ausrede, weder für Emma noch für die Kundschaft ;-)
MariaRosenquarz (Gast) - 7. Apr, 00:18

Der Kunde ist König....

... der Kunde ist König, wenn er sich wie ein Kaiser benimmt.. (hat mir neulich meine Tochter gesagt)... hat mir gut gefallen. :-)

Tante Emma rechnet ab - 7. Apr, 10:37

Kluges Kind!
Ich frag mich nur wer die Dose Bettelmänner aufgemacht hat?

Kunden-Identifikation:

Du bist nicht angemeldet.

Heute im Angebot:

Juli 2013
Hallo, Tante Emma, die Hoffnung stirbt zuletzt. Nach...
Miko (Gast) - 19. Jul, 09:02
2013
Hallo Tante Emma, wir denken immer noch gerne an Sie....
Kermit (Gast) - 10. Jun, 21:08
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Meine dunkle Seite Ich war schon oft dort Weiß Welchen...
Jemand (Gast) - 22. Apr, 23:49
und wieder mal
habe ich mir die Geschichten durchgelesen, nur um festzustellen,...
tweety-one (Gast) - 19. Feb, 23:53
Büttebütte
Das letzte Mal haben wir von Tante Emma am 28.12.2008...
Miko (Gast) - 4. Mai, 09:24

Was darf's denn sein?

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