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Montag, 27. März 2006

Einfach dufte

Manchmal hat Emma die Nase gestrichen voll. Dann stinkt ihr der Job im wahrsten Sinne des Wortes. Kurz nach 8 Uhr am Morgen ist sie dazu verdammt, frisches Sauerkraut vom Fass abzufüllen. Während der Rest der Welt sich den Duft frischer Croissants durchs Riechorgan zieht, wird Emma mit der Ursache eines gut funktionierenden Verdauungstraktes konfrontiert. Frühstück war noch nie ihre Leidenschaft, außer es geschieht nach 12 Uhr Mittag, und so trifft sie die Gewalt des milchsauer vergorenen Untergrundes auf nüchternen Magen.
Aufgrund ihres erhöhten Speichelflusses, lehnt sie dann Gespräche kategorisch ab und verzichtet aus lebensmittelhygienischen Gründen sogar auf das Pfeifen des Gassenhauers der Doofen: „Nimm mich jetzt auch wenn ich stinke“. Den Titel lässt sie eigentlich grundsätzlich durch die gespitzten Lippen strömen, wenn sie das gesäuerte Fiasko später am Tage abpackt. Ein spitzbübisches Grinsen hat sie dann um die Augen und sie genießt es, die an ihr vorbeigehenden Kunden zu beobachten.
Der beste Moment, und auf den freut sich Emma immer diebisch, ist der, wenn sie mit einem lauten Ratsch den Deckel des 25 kg Eimers öffnet. Ab da sind es nur noch wenige Sekunden, bis die ersten Kundennasen Witterung aufnehmen.
Als Emma in dieser Filiale noch so frisch war wie das Kraut im Eimer, war ihr dieser Moment einfach nur peinlich. Denn eine solche Menge Sauerkraut entwickelt, unter dem fest schließenden Deckel, binnen weniger Stunden ein Aroma, welches locker und leicht mit der Luft eines Kellerraumes in der VHS mithalten kann, in dem sich regelmäßig die Selbsthilfegruppe der unter Flatulenz Leidenden trifft.
Kurz gesagt, es riecht nach Pups.
Mittlerweile hat Emma Spaß daran, die Leute an der Nase herumzuführen und zwar geradewegs ins Fettnäpfchen. Zwar sehen sie genau, was Emma gerade tut, aber den Geruch bringen nur geeichte Stammkunden damit in Verbindung. Manchmal, wenn ein geeignetes Opfer naht, tritt Emma unauffällig auf ein Stück Luftpolsterfolie, das sie vorher rein zufällig zu Boden schweben ließ. Mit verächtlichem Blick und angehaltener Luft zieht der Kandidat an Emma vorbei.
„Puh, was für ein Aroma!“, flötet sie dann freundlich und setzt dann verkaufstechnisch korrekt nach: „das etwas so Leckeres so unangenehm riecht, erstaunt doch immer wieder. Ganz frisches, knackiges Sauerkraut vom Fass! Möchten sie mal kosten?“
In aller Regel steigt jetzt verlegene Röte ins Kundenantlitz, die für Emma das Signal zur Attacke ist.
„Ach du liebe Zeit!“, lacht sie jetzt schelmisch. „ Sie dachten….also ich meine, sie haben geglaubt, dass ich….? Oh nein, wie peinlich.“
Jetzt hat sie ihn. Der Kunde ist ertappt und seine Entschuldigung folgt prompt.
„Na zum Glück hab ich sie angesprochen, sonst würden sie ja in Zukunft immer von mir denken…..aber Schwamm drüber, hier kosten sie doch mal.“
Emma reicht dem Kunden nun sein Schüsselchen Kraut, das dieser mit Sicherheit nicht ablehnen wird. Da liegt es auch gleich auf der Hand, dass ein Pfund des edlen Sauren im Einkaufswagen landet.
So steigert sie erfolgreich den Umsatz und hat einen Kunden mehr, zu dem sie ein ganz „dufte“ Verhältnis hat.
Diese Highlights des Tages nimmt Emma als Entschädigung, als Ausgleich für die Gerüche, die ihr Tag ein Tag aus beschert werden. Am schlimmsten ist es am Samstagvormittag. Gut ein Drittel der Menschen, die dann in ihren Wohlfühlklamotten den Laden entern, halten es nicht für nötig, einigermaßen zivilisiert aus dem Haus zu gehen. Schließlich gehen sie ja nur kurz zum Einkaufen, um dann wieder im heimischen Stinkbunker zu verschwinden.
Für diese Leute wäre es die reinste Duschgelverschwendung, sich am Morgen einem Reinigungsritual hinzugeben, wenn man am Abend eh frisch und poliert aus dem Haus gehen will. Also schützen sie ihre Haut vor dem schädlichen Detergentien-Missbrauch und stinken mit Addiletten beschuht durch die Gänge.
Der betont lässige Weekendlook wird natürlich mit Jogginghosen im Outdoorstil und einem locker auf den Knien sitzenden Sweater unterstrichen. Selbiger ist im Brustbereich mit einer aufwändigen Applikation des wöchentlichen Speiseplanes versehen.
Wenn Emma jetzt noch dem Traum nachhängt, einer dieser Stylisch – Shopper würde es jemals für nötig halten, seine Plaque im heimischen Badezimmer zurückzulassen, wird sie spätestens an der Kasse herb aus dem Schlummer gerissen. Sie vermeidet es dann mit aller Macht ein Gespräch zu beginnen, doch ein solcher Kunde ist schließlich bestens gelaunt und voller Freude über das gleich nach dem Einkauf beginnende Wochenende, was er nun mit einem unmusikalischen Pfeifen auch zum Ausdruck bringt.
Jetzt reicht es Emma und sie ruft das Codewort für die Pause laut durch den Laden, um eine Kollegin auf den Plan zu rufen: „ Lager 18, bitte. Lager 18, dringend!“
Sie reißt den geblümten Vorhang zum Büro auf und wettert:
„Ja, ja, mit vollem Munde spricht man nicht. Das weiß ein jedes Kind.
Aber verdammt noch mal, wie viele Mütter haben versäumt das Mundgullipfeifen zu verbieten?
Und dann auch noch diesen uralten, völlig deplazierten Schinken – Das ist die Berliner Luft…..“
Paul Lincke – heut hass ick dir !

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